Anstoß
dazu, die Studie in Auftrag zu geben, war für den Pastorinnen- und
Pastorinnenausschuss (PA) die 2000 durchgeführte Pfarrer/innen-Zufriedenheitsanalyse
in der EKHN sowie 2002/ 2003 die vom IWS durchgeführte Wichtigkeitsanalyse
in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) für den
Pfarrerausschuss der EKKW nach Herausgabe des Diskussionspapiers „Das Amt des
Pfarrers und der Pfarrerin in der modernen Gesellschaft“. Zum Hintergrund gehören
wie auch in den anderen Landeskirchen Diskussionen um das Amtsverständnis, die in
der Hannoverschen Landeskirche aktuell u.a. durch das Pilotprojekt „Einführung
von Personalentwicklungsgesprächen“
ausgelöst wurden.
Ziel
der Studie ist das Selbstbild und Selbstverständnis der Pastorinnen und
Pastoren der Hannoverschen Landeskirche zu untersuchen (Ist-Analyse) und
mit vorhandenen Leitbild-Vorstellungen (Soll-Analyse) zu vergleichen. In
einer Befragung aller Pastorinnen und Pastoren der Landeskirche sollen hierzu
das Selbstbild und die Meinungen der Befragten zu den Vorstellungen innerhalb
verschiedener Sollvorstellungen erhoben und Nähen sowie Distanzen zwischen den
unterschiedlichen Vorstellungen aufgedeckt werden (Wichtigkeitsanalyse).
Diese Fragen stehen in engem Zusammenhang mit dem Forschungsaspekt der
empfundenen beruflichen Wirksamkeit (Wirksamkeitsanalyse) sowie dem
hiermit in Zusammenhang stehenden Grad beruflicher Zufriedenheit (Zufriedenheitsanalyse).
Außerdem sollen im Bezug auf laufende und anstehende Veränderungen in der
Landeskirche Meinungen, Realisierbarkeitseinschätzungen und die
Umsetzungsbereitschaft der Pastorenschaft erhoben werden. Die Ergebnisse der
Befragung werden Schlüsse zulassen auf notwendige Schritte in erster Linie für
die Interessenvertretung durch den PA, aber auch für die zukünftige
Ausbildung und berufliche Weiterbildung sowie für Fördermaßnahmen
durch die Kirchenleitung. Außerdem legen die Daten die aktuellen
Ausgangsbedingungen für Personalplanung
und -entwicklung in der Landeskirche dar.
Vollerhebung
in Form einer Wichtigkeitsanalyse sowie Wirksamkeitsanalyse (Ist-Soll-Design)
mit dem Ziel einer Performanz-Potenzial-Analyse
Der Beruf der evangelischen Pfarrerinnen- und Pfarrer steht im Brennpunkt des theologischen Interesses und im Schnittpunkt theologischer und außertheologischer Forschungsfragen. Das traditionale Weihepriestertum wird abgelöst (oder bloß überlagert?) durch das frühneuzeitliche Amtsverständnis und durch das moderne Verständnis dieses Berufes als einer "Profession" (wie das des Arztes oder Anwalts). Die latenten Spannungen im Berufsverständnis verschärfen sich durch aktuelle Rollenfragen von erheblicher praktischer Bedeutung: Verhältnis von Gemeinde- zu Funktionspfarramt, Vollzeit- zu Teilzeitstelle, Pfarramts- zur Mitarbeiter- und ehrenamtlicher Tätigkeit, Präsenz- zu Residenzpflicht, "Pfarrfrau-" Rolle zu Berufstätigkeit des Ehepartners, Vorbildfunktion der Ehe im Pfarrhaus zur Pluralität von Lebensformen. Schließlich öffnen sich immer neu die Problemkreise des Kompetenzverständnisses (Vorgesetztenqualitäten, zunehmende Bedeutung repräsentativer und missionarischer Funktionen) und der Wirksamkeit von Organisationsfunktionen (z.B. Fort- und Weiterbildung).
Der Befragungsauftrag des PA der Hannoverschen Landeskirche erlaubt es, einige zentrale Forschungsaufgaben so zu bearbeiten, dass sich Material für zahlreiche Anschlussstudien (Dissertationen, Anschluss- und Umsetzungsprojekte) ergibt. Zusätzlich sollen verschiedene theoretische Ansätze in das Fragebogendesign integriert werden, u.a. ein durch das IWS erstelltes und empirisch bereits bewährtes Kompetenzprofil, psychologische Verhaltensvorhersageskalen sowie grundlegende systematisch-theologische Fragestellungen wie die des Gottesbildes.
1)
Dies wird ermöglicht durch die erfolgreiche Operationalisierung von
vorliegenden Leitbildern und Leitvorstellungen in der EKKW-Studie. Während
diese im theologischen Paradigma gewöhnlich so verstanden werden, dass
empirische Überprüfungen geradezu ausgeschlossen sind, wurden sie dort mit
empirischen Daten zu Clustern korreliert, die für das Amtsverständnis wie für
die (Organisation der) Pfarramtspraxis gleichermaßen bedeutsam sind.
2)
Die in einem mehrstufigen Evaluierungsverfahren explizit gemachten
Zielvorstellungen vorliegender Leitbilder (EKKW: „Das Amt des Pfarrers und der
Pfarrerin in der modernen Gesellschaft“; Leitbild des Verband der Vereine
evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer: „Pfarrerinnen und Pfarrer in der
Gemeinde“;) werden in der Hannoverschen Befragung angereichert mit den
Soll-Vorstellungen aus Workshops und Expert/-innen-Interviews (PA,
Kirchenleitung, Kirchenvorstand, Gemeindemitglieder, hier integriert:
Leitbildentwurf der Synode).
3)
Die Ergebnisse der Befragung: Gewichtungen und Typologien der
Sollbild-Vorgaben im Kontrast zu Performanzprofilen, die sich abzeichnen, lassen
bei der Korrelationsauswertung Themen und quasi-empirische Ausgangsbedingungen
weiter führender Fragestellungen erkennen. Jenen Profilen lassen sich
biographische Daten und Beschäftigungsformen, förderliche und hinderliche
Arbeitsbedingungen, Organisations- und Kooperationsmerkmale zuordnen. Hier
werden nicht nur nachgefragte Fortbildungsthemen erkennbar, sondern auch ein
spezifisches Motivations- in Verbindung mit einem spezifischen Performanzprofil,
das mit Konstrukten der Verhaltensvorhersage gestützt werden soll.
4)
Das IWS erarbeitet die Ergebnisse kooperativ und legt sie in einem
reflektierten Prozess gesteuerter Kommunikation Trägern unterschiedlicher
institutioneller Interessen vor (Pastorinnen- und Pastorenausschuss,
Pfarrverein, Kirchenamt und Kirchenleitung: mit unterschiedlicher Affinität zu
den vorliegenden Sollvorstellungen). Der Umgang mit interner und externer Öffentlichkeit
ist konstitutiv: dies gilt für die Konzeptionsphase ebenso wie für die
Befragungs- und Umsetzungsphase sowie für die wissenschaftliche Auswertung.
5) Dieser Prozess im Ganzen ist – über die Befragungsdaten i.e.S. hinaus – ein für den gegenwärtigen Stand theologischer Forschung entscheidend wichtiger Gegenstand (s.o.), der hier in interdisziplinärer Perspektive (Verbindung qualitativer und quantitativer Methoden) dokumentiert und zugänglich gemacht wird. Die sich abzeichnenden Ergebnisse sind einerseits anschlussfähig an Forschungen im Personalwesen, anderseits gewinnt die Anschlussfähigkeit an die Ergebnisse der vorangegangenen und der möglicherweise folgenden Befragungsaktionen im kirchlichen Bereich zunehmend an Bedeutung.
Der öffentliche Zugang zu den Ergebnissen wird gesichert (Veröffentlichungen; Internet – Absicherung durch den Kooperationsvertrag): bei strenger Beachtung des Datenschutzes und der Vertraulichkeitszusagen an die Befragten (Absicherung durch Zusicherung in den Anschreiben, interne Vereinbarungen zwischen den Kooperationspartnern sowie technische und Verfahrensvorkehrungen durch die Projektleitung).